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Ludwig wachte als Erster auf, in einem nassen Bett, wie es bei einem Wassergenasi eben vorkam. Gewundert hätte ihn das nicht weiter, wäre da nicht Luna gewesen, die neben ihm saß, ebenso nass und so beleidigt, wie nur ein Tier beleidigt sein kann. Er nahm sein Hemd und rieb sie trocken, so vorsichtig es ging, und Luna ließ es sich gefallen, ohne ihm zu verzeihen.

Unten hatte der Morgen die Gaststube schon wieder gefüllt. Es roch nach Bier und nassen Mänteln, jemand spielte auf einer Fidel gegen den Lärm an, und an den Tischen saßen die Leute so eng, dass sie einander die Krüge über die Schultern reichten. Ludwig stellte sich an die Bar, gab dem Wirt die Schlüssel zurück und wartete.

Wolfgang kam als Nächster herunter, Luna auf dem Hut. Zwischen Beinen, Bänken und Krügen sah ihn niemand kommen, und wer sich umdrehte, nahm keine Rücksicht auf einen Goblin, der ihm bis zur Hüfte reichte, also schob er sich Schritt für Schritt bis zur Bar durch.

Malu brauchte sich keinen Weg zu suchen. Als sie in voller Rüstung die Treppe herunterkam, wich die Menge vor ihr zurück, und in den Gesichtern stand, was die Leute in ihr sahen: eine Ordnungshüterin. Wer ihrem Blick begegnete, sah schnell in seinen Krug. In der Gaststube saßen so viele Leute, und Malu wäre lieber eine von ihnen gewesen als die, vor der alle zurückwichen.

Lyria stand mit einem Mal bei ihnen, ohne dass jemand gesehen hatte, wie sie durch die Gaststube gekommen war. Dann traten sie hinaus in den Morgen.


Die Läden der Vorstadt hatten sie am Abend zuvor nur im Dunkeln gesehen, und jetzt standen sie offen, eine Tür neben der anderen die Straße hinunter. Zuerst die Schmiede.

In der Tür kam ihnen jemand entgegen, der es eilig hatte, und rannte Lyria dabei glatt um. Sie fing sich, zischte ihm etwas Abfälliges hinterher und ging hinein, als wäre nichts gewesen. Drinnen war es heiß, und der Schmied ließ ein Messer über seine Finger tanzen, als wäre es ein Spielzeug; seine Haare schienen zu rauchen. Lyria fand ihn ansehnlich und sah länger hin als vorgehabt, bevor sie ihm zwei rostige Dolche hinlegte, die sie aus dem Heiligtum Banes mitgenommen hatte, und den Preis für die Arbeit herunterhandelte. Wolfgang durfte für ein einziges Goldstück seinen Bogen verstärken lassen. Beides brauchte Zeit, also ließen sie es dort und gingen weiter.

Ein paar Türen weiter lag ein Trankladen. Der war seltsam, noch bevor sie das Mädchen bemerkten: Das Glas in den Regalen wirkte weich, wenn man es zu lange ansah, und es war warm, als hätte jemand eben noch damit gearbeitet. An einem Tisch zwischen getrockneten Kräutern saß ein junges Mädchen, und auf ihrem Kopf saß ein Diadem mit einem pinken Juwel.

Heiltränke habe sie in drei Größen, sagte sie zu Wolfgang, dazu Tränke für weite Sprünge, gegen Feuer und für Unsichtbarkeit, und teuer war alles. Wolfgang sah zu den anderen hinüber und dann wieder auf das Juwel, und als er sie vorsichtig darauf ansprach, blieb sie ganz freundlich: ein Familienerbstück, sie nehme es nie ab. Er zog sich zu Ludwig zurück.

Dann wandte sich das Mädchen an Lyria und nannte sie beim Namen.

Lyria stand still. Niemand hier hatte ihren Namen gesagt, nicht an diesem Morgen und nicht am Abend zuvor.

„Wir führen den Laden“, sagte das Mädchen, deren Name Arina war, und redete weiter, als wäre nichts dabei. Sie wusste Dinge über Lyria, die sie nicht wissen konnte, bis hin zu dem, was Lyria gut konnte und was nicht.

Lyria versuchte trotzdem, unbemerkt an die Kiste mit den Tränken zu kommen, und begriff dabei, dass Arina jeden Griff danach in dem Augenblick bemerken würde, in dem sie ihn tat. Also fragte sie einfach, was es zu kaufen gab, und nahm den Trank für Unsichtbarkeit.

„Weil du es bist, Lyria, bekommst du es natürlich etwas günstiger.“

Malu, die neben ihr stand, handelte noch ein paar Heiltränke herunter, und das war das einzige Geschäft dieses Morgens, bei dem es zuging wie in jedem anderen Laden. Zum Abschied wandte sich Arina wieder nur an eine von ihnen: an Lyria.

Draußen waren sich alle vier einig, dass sie so etwas noch nicht erlebt hatten. Malu verteilte die Tränke, und während sie das tat, sprachen sie und Ludwig ab, dass dieses Juwel irgendwann von Arinas Kopf musste. Dann ging Malu noch einmal hinein, um zu erspüren, was in diesem Laden vor sich ging. Sie spürte nichts, und das machte es nicht besser.


Von den Läden aus führte Lyria die Gruppe weiter, hinaus an den Rand der Häuser, dorthin, wo die Wagen der Tierfänger verschwunden waren. Am Ende eines ausgefahrenen Weges stand eine Scheune, groß genug für zwei Wagen und so still, als wäre seit Tagen niemand dort gewesen.

Luna ging voraus und sah durch ein Fenster hinein: ein einziger großer Raum, und darin Zellen, übereinandergestapelt bis unter das Dach. Sie waren alle leer. An den Wänden zogen sich Zeichnungen mit Kreide hin, auf dem Boden war Blut eingetrocknet, und er selbst sah aus, als hätte er einmal gebrannt.

Am Schloss scheiterte Lyria beim ersten Versuch. Beim zweiten Versuch gab es nach, und sie schoben die Tür so weit auf, wie sie brauchten.

Drinnen war es kühl und still, und es roch nach Tier und nach Eisen. Neben den Zellen standen Holzkisten, an den Eingängen Tische mit Werkzeug, sauber aufgereiht, wie es jemand macht, der seine Arbeit ernst nimmt. Auf einem der Tische lagen zwei Schlüssel, ein silberner in der Form eines Herzens und ein größerer aus Bronze.

Ludwig beugte sich über die Schriftrollen auf einem der Tische. Städtenamen standen darauf, Eterna und Phirun neben Orten, die kaum etwas miteinander gemein hatten, und hinter jedem Namen Nummern, wie man sie für Waren führt. Auch der Name der Druidin Esna stand darauf. Auf einem handgeschriebenen Zettel war ein Treffen notiert, eine Auktion im Kessel. Einen der Orte kannte Lyria von früher: Esterin, und dorthin wollte man wirklich nicht. Die Runen auf dem Boden hatte Ludwig noch nie gesehen, und niemand konnte ihm sagen, wozu sie gut waren.

Wolfgang hörte da schon nicht mehr zu. In einem der Käfige lag ein Hirsch.

Die Wunden an seinem Leib waren sauber gesetzt, viel zu sauber, als hätte jemand mit ruhiger Hand an ihm gearbeitet. Er lebte, doch er sah nichts, hörte nichts und reagierte auf nichts, und es lag keine Magie über ihm, die man hätte brechen können. Wolfgang öffnete den Käfig und blieb davor hocken, länger als nötig.

Am Ende entschieden sie zusammen, dass alles so bleiben musste, wie sie es gefunden hatten. Wer diese Scheune betrieb, durfte nicht merken, dass jemand hier gewesen war, und ein Hirsch, der vor der Tür lag, wäre nicht zu übersehen gewesen. Lyria brach noch die Holzkisten auf und sah hinein: Fleisch, und sonst nichts, was sie interessierte. Wolfgang schloss den Käfig und legte die Schlüssel zurück auf den Tisch.

Was die anderen nicht sahen: Ludwig nahm die Schlüssel wieder mit. Wer solche Türen baute, baute mehr als eine, und dann wollte er nicht ohne Schlüssel davorstehen.

Auf dem Rückweg holte Wolfgang seinen Bogen ab, verstärkt und mit neuer Sehne. Lyrias Dolche waren noch nicht fertig, die brauchten länger.

Damit war in der Vorstadt alles getan. Was blieb, war die Auktion im Kessel, von der der Zettel in der Scheune sprach, und dorthin wollten sie. Wo dieser Kessel lag, wusste allerdings keiner von ihnen, und in der Vorstadt würde es ihnen niemand sagen. Also gingen sie zu dem Tor, das in die eigentliche Stadt führte.


Das Tor war bewacht, doch es zog ein ganzer Schwarm von Leuten hinein und hinaus und mit dem Schwarm gingen sie mit. Dahinter war Phirun ein anderer Ort als die Vorstadt: weniger Gedränge, gerade Gassen, Häuser, die jemand instand hielt. Malu zog Ludwigs Mantel über die Rüstung, damit sie hier nicht wieder für die Ordnung gehalten wurde.

Lyria brauchte nicht zu fragen, wohin. An Mauern und Ecken fand sie Zeichen, wie man sie in der Unterwelt benutzt, um solche Orte, wie den, den sie suchten, kenntlich zu machen. Die anderen hätten sie für Kratzer gehalten. Die Zeichen führten ohne Umweg bis vor ein vornehmes Haus mit einer Lilie im Wappen. Ein Freudenhaus, und wenn die Zeichen die Wahrheit sagten, lag dahinter ein Versteck der Unterwelt.

Wer dort hineinging, trug sehr gute Kleider, das sah man an den Gästen vor der Tür, und Lyria wollte nicht die Einzige sein, an der etwas nicht stimmte. Also fragte sie Malu nach ihren feinen Kleidern: dunkelblau mit goldenen Mustern, aus einem Stoff, wie Lyria ihn nie besessen hatte. Sie schob zwei Dolche darunter und gab Malu ihre eigenen Sachen. Zu vieren hätte sich das Haus an sie erinnert, also ging sie allein.

An der Tür hielten die Türsteher sie auf. Lyria sagte, sie sei Malu Solanum, und über diesen Besuch freuten sie sich so sehr, dass die Tür sofort offen stand. Die anderen drei blieben draußen: Lyria wollte sie später hereinholen, ohne dass sie an den Türstehern vorbeimussten und bis sie wusste, ob sich dafür ein Fenster fand, wartete man besser. Luna behielt die Fenster im Auge.

Drinnen roch es nach Blumen und darunter nach Öl. Auf den Wänden hingen Teppiche, in den Lampen brannten pinke Flammen, in den Nischen lagen Kissen, und hinter den zugezogenen Vorhängen wurde gelacht. Die Leute des Hauses waren für die Gäste da und kaum bekleidet, und niemand tat, als ginge es um etwas anderes. Aus dem Keller stieg Wärme die Treppe herauf, die mit jedem Schritt dichter wurde. Unten lag ein Badehaus, und die Paare in den Becken kamen einander so nahe, wie man es in einem solchen Haus erwarten durfte. Lyria ging wieder hinauf, überlegte es sich anders, ging wieder hinunter, gab ihr Kleid bei der Angestellten ab, wickelte sich in ein Handtuch und schritt zwischen den Becken hindurch, verfolgt von den Blicken derer, die darin lagen.

Am hinteren Ende war ein Bereich abgesperrt; dort werde gerade renoviert, hieß es. Vor dem Vorhang, der ihn verschloss, stand ein Mann, dem man kein Handwerkszeug ansah. Lyria sagte ihm, sie suche etwas anderes, und er wisse wohl, worum es gehe. Sie redeten eine Weile hin und her, dann trat er beiseite und ließ sie durch.

Dahinter endete das Badehaus, und ein Gang begann.

Die erste Strecke war noch verkleidet wie das Haus darüber, dann hörte das Metall auf, und es blieb nackter Stein. Mit der Verkleidung ging die Wärme, ihre Schritte begannen zu hallen, und auf dem Stein lagen Glyphen, in denen Illusionsmagie steckte; sie leuchteten unter Lyrias Hand auf und verschwanden, eine nach der anderen, während der Gang sie immer tiefer hinabführte. Irgendwann lief ein schmaler Bach neben ihr her. Am Ende hing ein Tor, an dem von ihrer Seite nichts war, was man hätte öffnen können, und dahinter rauschte so viel Wasser, dass sie es durch das Metall hörte. Sie klopfte. Nichts antwortete.

Hier kam sie nicht weiter. Also ging sie zurück, um zu sehen, wohin die Gänge weiter oben führten.

Dort teilte sich der Weg, rechts hinab von wo sie kam und links hinauf. Lyria kniete sich hin und fuhr mit der Hand über den Boden: Rechts war der Stein glatt getreten von vielen Füßen, links kaum. Sie nahm den Weg nach oben, weil dort ein Ausgang liegen konnte, und berührte die Glyphe, die davor lag. Aus ihr schlug Feuer. Lyria warf sich zur Seite, doch ihr Handtuch fing Feuer und war nicht mehr zu retten.

Weiter oben endete der Gang in einem fensterlosen Raum, und über eine Falltür kam sie in ein Haus, das von außen wie jedes andere aussah. An dessen Tür blieb sie stehen, öffnete sie einen Spalt und sah hinaus: die Gasse, die Häuser gegenüber, genug, um diese Tür später von außen wiederzufinden. Dann zog sie sie wieder zu.

Den Rückweg lief sie ganz, jeden Abzweig im Kopf, und kam nackt und angesengt durch das Badehaus, vorbei an der Angestellten, die ihr Kleid hielt und nicht wusste, wohin sie sehen sollte.

Als Lyria wieder bei den anderen stand, war sie angezogen, und vom Feuer blieben ein paar versengte Stellen. Die Kleider tauschten sie zurück.


Über den geheimen Eingang in dem Haus stiegen sie zu viert hinab. Hinter dem Tor, das Lyria von der anderen Seite nicht öffnen konnte, lagen leere Becken mit rostigen Eisenstäben, und steile Wege führten weiter hinunter. Von unten kam Lärm herauf, viele Stimmen, die zu einem einzigen Geräusch verschmolzen. Luna flog voraus bis zu einer Brücke und hielt sich links, dem Lärm entgegen. Ludwig und Lyria machten eine Räuberleiter, mit einem Seil kamen alle hinauf, und dann stand die Gruppe vor einer Tür, die Ludwig mit einem der Schlüssel aus der Scheune öffnete.

Die Halle dahinter war so groß, dass ihr Ende im Dunkeln lag. Vor den Türen standen Leute, und auf ihrer Kleidung war der gebrochene Kreis zu sehen. Lyria ging voraus, nickte ihnen zu, als käme sie hier jeden Tag durch, sagte, sie suche Vessing, und drückte dem, der ihr am nächsten stand, ein Goldstück in die Hand. Die Türen blieben offen, und die Gruppe ging einfach mit ihr hindurch.

Dahinter öffnete sich der Kessel. Er war eine Schlucht mitten unter der Stadt, Schicht über Schicht, ein Rundgang über dem nächsten, und wer über die Brüstung sah, blickte hinunter bis auf Wasser, auf dem Boote schaukelten. An den Wänden klebten Läden, und im ersten standen offene Kisten mit pinkem Pulver.

Dann sah Lyria die Druidin. Esna war auf der anderen Seite des Kessels unterwegs, quer über die Schlucht hinweg gut zu erkennen, und sie hatte ein Ziel.

„Mein Name ist Josef“, sagte Wolfgang, „falls jemand fragt.“

Malu und Ludwig blieben ein paar Schichten weiter oben. Lyria und Wolfgang gingen über die Rundgänge auf Esnas Seite hinüber und hielten dabei so viel Abstand, dass immer andere Leute zwischen ihnen und der Druidin liefen. Unterwegs kaufte Wolfgang sich einen schwarzen Mantel; darin war er einer von vielen und nicht mehr der Goblin mit dem Hut.

Weiter unten blieb Esna vor einer Plattform stehen, die wie ein Aufzug in die Tiefe fuhr, und dort kam eine Frau zu ihr, in dunkler Kleidung, deren sehr langes dunkles Haar voller weißer Nadeln steckte. Über ihr Gesicht liefen Zeichen, und an ihrem Gürtel leuchteten Flaschen. Die beiden fuhren hinab, und Lyria und Wolfgang kamen ihnen nach.

Unten lief eine Auktion. Sie setzten sich ein paar Reihen hinter Esna und die Hexe, zwischen denen ein Mann Platz nahm, der zwei Kreise als Zeichen trug. Der Ausrufer arbeitete sich ohne Eile durch die Posten, und was hier den Besitzer wechselte, hätte über der Erde niemand offen angeboten: Tränke zuerst, dann Sprengstoff, dann eine Kiste mit teurem grünem Pulver, das jeden bewusstlos macht, der es einatmet. Die kaufte der Mann mit den zwei Kreisen. Zuletzt rief der Ausrufer etwas aus, das Schattenstahl hieß, und die Gebote kamen aus dem halben Raum. Eine halbe Stunde lang saßen Lyria und Wolfgang dabei, ohne auf irgendetwas zu bieten.

Als es vorbei war, standen die drei auf und gingen hinunter zu den Booten, zwei Träger mit der Kiste hinter sich. Lyria und Wolfgang ließen sie ein Stück vorausgehen und folgten ihnen dann, so unauffällig wie den ganzen Weg zuvor. Trotzdem drehte sich die Hexe unten am Wasser nach ihnen um, noch bevor sie nah genug waren, um etwas zu sagen.

Also sprachen sie die drei einfach an. Esna erkannte die beiden sofort wieder: Sie hatte sie mit den Tierfängern im Wagen mitgenommen. Der Mann mit den zwei Kreisen wirkte genervt, und er war der, nach dem Lyria oben an der Tür gefragt hatte: Vessing. Lyria sagte ihm, worum es ihnen ging. Sie suchten Aufträge, und ob er welche zu vergeben hätte. Er hätte, später, in seinem Büro hier unten, dort könnten sie weiterreden. Esna nannte ihn dabei ihren Vorgesetzten. Die Hexe sagte kein Wort, sondern starrte die beiden nur mit einem intensiven Blick an.

Es lief gut, bis Lyria sich zu Wolfgang umdrehte und vorschlug, erst einmal zu den anderen zurückzugehen. Das Wort war draußen, bevor ihr einfiel, wer neben ihnen stand.

„Oh, welche anderen?“

Esna fragte es freundlich. Die Hexe sah Lyria dabei an, ohne zu blinzeln, um sie her ging der Lärm des Kessels weiter, Stimmen, Schritte, Wasser am Steg, und alles hing an dem, was Lyria als Nächstes sagte. Sie hätten unterwegs andere Abenteurer getroffen, sagte sie, Leute, mit denen man ein Stück gemeinsam reise. Mehr wollte Esna nicht wissen, und ob sie es glaubte, war ihr nicht anzusehen. Die beiden stiegen die Schichten hinauf zu Malu und Ludwig und erzählten ihnen alles: die Auktion, das Pulver, die Hexe, Esna und ihren Vorgesetzten, und dass sie mit Vessing reden würden.

Malacks Pfeil ließ Wolfgang bei Ludwig. Der Pfeil leuchtete grün und wies immer in dieselbe Richtung, und wenn eine Frau mit Flaschen voller Geister am Gürtel irgendetwas an ihm spüren konnte, dann wollte keiner von ihnen ihn an ihr vorbeitragen.


Drei Stunden vergingen, dann gingen Lyria und Wolfgang an der Hexe vorbei durch eine Tür in einen Raum, der kaum mehr war als ein kleines Büro. An der Wand hing ein Zeichen aus einem Auge und einem Dolch.

Vessing saß hinter einem Tisch, der für ihn zu klein war, und ließ sich Zeit. Er redete wie jemand, der hier unten nichts zu verbergen braucht. Das Geschäft sei die Jagd, und eine Jagd bringe etwa fünfzig Gold.

Auf die Hexe kamen sie, weil sie draußen vor der Tür stand und weil Lyria wissen wollte, wer diese Frau war. Gesprochen habe sie nie mit ihm, kein einziges Wort; verstehen tue sie alles, sprechen nicht. Vessing sagte das ohne jede Begeisterung, und hinter dem, was er sagte, war zu hören, dass ihm die Frau selbst nicht ganz geheuer war. Sie tat trotzdem, was er anordnete, und ohne sie ging es nicht.

Weiter erfuhren die beiden, wie man im Kreis den Rang erkennt: an der Zahl der Kreise auf der Kleidung, fünf waren das Höchste, und wer darüber stand, blieb einem in der Regel verborgen. Nach Westen breite sich der Kreis aus, und in den größeren Städten arbeite er längst auch über der Erde.

Der Auftrag, den er am Ende zu vergeben hatte, war eine Probe: Bei der nächsten Jagd sollten sie die anderen begleiten, nicht mehr, und danach würde man sehen. Sie nahmen an.

Über den geheimen Ausgang kamen sie wieder nach oben, und da ging schon die Sonne auf. In ihrer alten Taverne in der Vorstadt tranken sie noch etwas, und es war ein guter Morgen, auch wenn keiner von ihnen ganz ruhig wurde. Wolfgang dachte an den Hirsch, den sie in seinem Käfig zurückgelassen hatten, und daran, was Malack dazu sagen würde.