Das Lied von Splitter und Einheit

In jenen Tagen, als Verdunne noch ohne Maß und Namen war, als Königreiche kamen und fielen wie Staub im Wind und jedes Volk seinen eigenen Himmel anrief, da war die Welt erfüllt von Streit.

Denn die Götter waren viele, und ihre Stimmen waren uneins. So kämpften auch ihre Kinder gegeneinander, und das Blut der Sterblichen färbte das Erdreich.

Sobald erhob sich ein Herrscher ohne Mitleid, dessen Herz dem Joch der Furcht gewichen war. Sein Banner war die Knechtschaft, und sein Gott labte sich an Schmerz und Leid. Wo seine Heere gingen, verstummten Gebete und Städte wurden zu Asche.

In jener Zeit der Flucht und der Verzweiflung ging ein Halb-Elf unter den Heimatlosen. Er trug keine Krone und kein Schwert von Ruhm, doch sein Geist war geschärft durch Glauben und sein Wille schwer wie kaltes Erz.

Und als er am Ende seiner Kräfte war, erschien ihm Ordnung im Traum. Nicht als Stimme, nicht als Befehl, sondern als Gewissheit: Dass Vielheit nicht Spaltung bedeuten müsse und dass selbst die Götter gebunden sein könnten.

So machte sich der Halb-Elf auf den Weg, und seine Reise führte ihn an Orte, die der Zeit entronnen schienen. Er sprach zu Göttern, deren Namen heute noch erklingen, und zu solchen, die nur noch im Schweigen wohnen. Jedem bot er kein Opfer dar, sondern eine Wahrheit: Dass sie allein schwach seien, doch gemeinsam Bestand haben könnten.

Und die Götter gaben ihm Splitter ihrer Macht, nicht aus Unterwerfung, sondern aus Einsicht.

Und als der Tag der Hoffnung kam, standen Völker nebeneinander, die sich einst Feinde nannten. Ihre Banner waren verschieden, doch sie waren geeint, wie auch ihre Götter es waren.

Der Kampf, der folgte, verbrannte die Welt. Noch heute zeugt die Narbe davon, wo Ordnung und Tyrannei aufeinandertrafen. Und als der Tyrann fiel, fiel mit ihm der Anspruch, dass ein Wille allein herrschen dürfe.

Da sprach der Halb-Elf zu den Überlebenden: „Die Götter sind nicht viele – sie sind geteilt. Und was geteilt ist, muss geehrt werden, auf dass es nicht zerbreche.“

So begann der Frieden. Nicht durch Vergessen, sondern durch Ordnung.

Doch der Halb-Elf wusste, dass kein Sterblicher ewig war. Und da seine Kraft schwand und seine Gedanken erblindeten, legte er die Last der Welt in die Hände seiner Tochter.

Sie aber war klug und sah, dass Macht, ungeteilt getragen, wieder zur Tyrannei werde. So band sie Handel, Wissen, Können und Recht an viele eifr’ge Hände und setzte Ordnung über Herrschaft.

Und sie ließ Tempel errichten, für alle Splitter gleichermaßen, zu Ehren jener die sie in den Frieden getragen.

So wurde Eterna geboren, nicht aus Eroberung, sondern aus Einigung.

Und man nannte es das Reich, das ewig währen sollte – solange Ordnung bewahrt und die Splitter geehrt würden.

übersetzt und erhalten um 247 Era-at-Eterna Kalquil Atmar seines Zeichens Meister der Zeithüter Im 302. Jahr vor seiner Ernennung